Eingriff in Natur und Landschaft
 

Die nun folgenden Tierarten sind im Bereich der von der E.on geplanten Trassenführung vertreten. Die Erkenntnis hierüber beruht auf Beobachtungen von Tierliebhabern und Experten und ist nicht etwa von uns ausgedacht worden. 

Die von der E.ON beantragte Freileitung bedeutet eine nicht hinnehmbare Minderung unserer Lebensqualität; sie bedroht die Gesundheit der in ihrer Nähe lebenden Menschen und verschandelt zudem unsere Heimat.

Unser Protest erregt sich aber insbesondere deswegen, weil der geplante Bau nicht dem Wissen und der technischen Machbarkeit des 21. Jahrhunderts entspricht; die angesprochenen Nachteile also vermeidbar oder verminderbar wären.

Die Trasse durchschneidet Äcker und Wiesen, Wälder und Moore, Bach- und Flusstäler, den Lebensraum vieler Tiere und Pflanzen und letztlich auch den von uns Menschen. Bei dem Bemühen, größeren menschlichen Siedlungen im Trassenverlauf auszuweichen, werden doch ökologisch besonders wertvolle, dünnbesiedelte Gebiete, die in unserem Land ob ihrer Seltenheit und biologischen Wertigkeit, einen hohen Schutzstatus haben sollten, durchschnitten und damit auch die Lebensräume einiger seltener Tierarten empfindlich gestört. In diesem Zusammenhang sind einige besonders geschützte Vogelarten zu nennen, deren Existenz allein durch die unmittelbare Gefahr des Anfluges an die Leitungen bedroht ist.

 

Der Schwarzstorch  lässt zumindest in Teilbereichen eine Freileitung, so wie geplant, nicht zu. Das Konfliktpotential ist zu groß. Um den bekannten Brutplatzbereich ist ein Radius von 7,5 km zu ziehen. Dieser Kreis gilt als potentieller Nahrungssuchraum, in dem eine Freileitung für Jung- und Altstörche eine große Gefahr darstellt und somit als Planungsraum ausscheiden muss. Sein Bestand ist vom Erlöschen bedroht.

Wir wollen an dieser Stelle darauf aufmerksam machen, dass jede eigene Erkundung nach diesem Vogel unterbleiben muss, da der Schwarzstorch im Umkreis von 200 bis 300 m keine Anwesenheit duldet und vertrieben werden würde.

 

Der Weißstorch ist einer der größten Landvögel unseres Gebietes. In Deutschland wurden 1958 nur 4800 Paare gezählt (nur halb so viel wie 1934). Sein Bestand ist heutzutage vom Auslöschen bedroht. Ein zusätzlicher Einschnitt durch Freilandtrassen würde seinen Bestand weiter dezimieren, nicht nur durch die Gefährdung der Leiterseile. Denn wer keinen geeigneten Lebensraum mehr findet, wird auch keine Möglichkeiten haben, sich fortzupflanzen.

 

Eine Tierliebhaberin schrieb uns:

"In den letzten Jahren sind hin und wieder Störche in den Wiesen an der Straße herumgestakst, ich vermute, dass die Froschpopulation sich gerade etwas zu erholen anfing, nach dem Beleg auf unserem Land zu urteilen. Laubfrösche, Rana ridibundae, auch rana lessonae, Grasfrösche, Moorfrosch, Erdkröten, Teichmolch (im Bruch in unserem Wald) und eventuell auch Kammolche in dem Teich auf Gaumanns Acker. Sehr kleine kupferrote Ringelnattern, Eidechsen (im Schilfbeet) (...) Königslibellen, irgendwelche Mosaikjungfern, auch auf jeden Fall die gemeine Binsenjungfer (...)."

Hier sind diverse Tierarten genannt, die dem Weiß- und dem Schwarzstorch als Nahrungsgrundlage dienen und die bewirken, dass beide sich auch in unsern Regionen heimisch fühlen und weiter vermehrt niederlassen würden - wenn denn die Trasse nicht kommt !!! Der Aufbau dieser nachgewiesenen Nahrungskette würde durch die Trasse erheblich gestört werden.

 

Als weiterer Brutvogel mit höchstem Schutzstatus ist  die Wiesenweihe in unserer Region zu nennen. Sie weist auf Bundesebene nur etwa 300 Brutpaare auf und brütete allein im Grenzbereich der Landkreise Oldenburg - Diepholz im Jahre 2004 mit etwa 27 Paaren sehr erfolgreich. Im beplanten Trassenbereich wären in 2004 mehrere Brutplätze betroffen gewesen.

 

 

Die noch selteneren Kornweihen sind während des ganzen Jahres in unserer Region beobachtbar. Im Herbst und im Winter handelt es sich allerdings um Gäste aus nordöstlichen Gebieten, die hier ihr Überwinterungsgebiet gefunden haben und auch in dieser Zeit beinahe täglich zu sehen sind. Bei den zur Brutzeit anzutreffenden Kornweihen, die es augenblicklich vorziehen sich in südlicheren Gefilden aufzuhalten, gelang ein Brutnachweis bisher nicht.

 

 

Als dritte Weihenart, mit ebenfalls hoher eingriffsspezifischer Empfindlichkeit, ist die Rohrweihe zu benennen. Sie brütet seit Jahren erfolgreich im Urstromtal der Hunte, in relativer Nähe zur Antragstrasse.

 

 

Kranich und Singschwan sind als weitere Vogelarten aufzuzählen, denen durch Freileitungsbau Lebensraum genommen würde. Beide kommen in unserem Raum als Rastvögel vor. Die Moore im Landkreis Diepholz und im angrenzenden Landkreis Vechta stellen Rastplätze von nationaler Bedeutung da. Bei den Flügen zu den Äsungsflächen und zurück zu den Schlafplätzen, sind beide Großvogelarten durch die beantragte Freileitung außerordentlich gefährdet. Auch in diesen Tagen fliegen Singschwäne mit Stückzahlen von 150 bis ca. 200 - mit steigender Tendenz - auf die bekannten Nahrungsflächen. Oft sind sie in der Gesellschaft von kleineren Kranichtrupps, die Familienverbände erkennen lassen. Auf dem Höhepunkt des Kranichzuges rasteten Tausende Vögel in unserem Gebiet. Im Frühjahr werden sie wieder eine Rast bei uns einlegen, um dann ihren angestammten Brutgebieten entgegenzufliegen. Einige aber, und es werden immer mehr, haben sich längst entschieden, in unseren heimischen Mooren zu brüten. Bleibt zu hoffen, dass den Vögeln und auch uns die Zukunft nicht verbaut wird! Der Bestand des Kranich ist gefährdet.

Ein Tierliebhaber schrieb uns, dass er regelmäßig riesige Kranichschwärme im Bereich der geplanten Trasse gesichtet habe. Dieser Bereich dient u.a. dieser Vogelrasse als Durchzugs- und Rastgebiet.

 

 

Fotos von Singschwänen im betroffenen Gebiet

Aufnahme vom 23.12.2004

 

Aufnahme vom 26.12.2004

??? Gehören diese Bilder bald der Vergangenheit an ???

 

 

Der Schwarzspecht  sieht fliegend ähnlich einer Krähe aus. Wichtigstes Erkennungsmerkmal ist der rote Scheitel oder auch Genickfleck genannt. Ruft laut "kliöh", an die letzten Töne eines Hahnenschreis erinnernd, ferner grünspechtartig "gückgückgück" und im Fluge ein weit hörbares "krikrikrikri". Trommelt. 

Eine Tierexpertin, die im Nahbereich der geplanten Trasse wohnt, schrieb uns:

"Er  lebt jeden Sommer von den Kirschen in meinem Riesenkirschbaum."

 

 

 

 

Der Mittelspecht ähnelt stark dem Buntspecht und dem Blutspecht. Im Gegensatz zu den beiden zuletzt genannten hat er einen roten Scheitel. Er ruft buntspechtähnlich "kick", häufiger "kick-tjek-tjek-tjek", im Frühjahr vor allem kläglich quäkend "ääk". Trommelt seltener als Buntspecht. Sein Bestand wird allgemein als abnehmend eingestuft.

Eine Tierexpertin, die im Nahbereich der geplanten Trasse wohnt,  schrieb uns, dass sie ihn eindeutig ganz nah an ihrem Haus sah.

 

 

Der Waldkauz ist hauptsächlich nachtaktiv. Er ist dunkler als die Schleiereule. Die Grundfarbe des Gefieders geht von kastanienbraun bis weißlichgrau. Ruft langgezogen schaurig klingend tremulierend "hu-hu, hu-u-u-u-u-u". Jungvögel rufen scharf "kewick". Er brütet in Baumhöhlen, auf Dachböden und in Nistkästen.

Ein Tierliebhaber schrieb uns:

"(...) das Gebiet als Nahrungsrevier für Greifvögel gilt. Unbekannt scheint den Gutachtern allerdings, dass Falken, Spechte, Pirole, Fledermäuse und Bussarde in diesem Revier ständige Gäste sind. Und mittels einer Nisthilfe konnte in diesem Bereich sogar ein Waldkauz angelockt werden (...)".

 

 

Die Waldohreule ist eine bräunliche Eule mit langen Ohrbüscheln, schlanker und schmalgesichtiger als z.B. der Waldkauz. Sie ruft stöhnend "u-u-u", was aus der Ferne einsilbig klingt. Bettellaute der Jungen kreischend bis fiepend "chie", ähnlich einem Rehkitz. Bewohnt u.a. Wälder aber auch große Gärten. Sie jagt hauptsächlich in offenem Gelände. Benutzt zur Brut gewöhnlich verlassene Nester anderer Vögel.

            

 

 

Der Kuckuck erinnert an kleine Greifvögel, hat aber eine ganz andere Schnabelform. Er ist grau, aber auch in einer brauner Phase vertreten. Der Ruf ist allbekannt "kuckuck". Er lässt auch wohlklingendes, gluckerndes Kichern hören, "quiquiquiqui...". Sein Bestand wird allgemein als abnehmend eingestuft.

 

 

Der Wanderfalke stößt im rasanten Steil- und Flachsturz auf fliegende Beute und erreicht dabei Geschwindigkeiten von mehr als 200 km/h. Die Gefiederfarbe ist variabel. Ruft gächernd "kek-kek-kek...". Er ist  u.a. in Wäldern und offenem Gelände vertreten. Sein Bestand wird allgemein als selten angesehen.

 

 

Der Neuntöter war vor geraumer Zeit in unseren Regionen eher nur als Durchzügler oder Irrgast vertreten. In den letzten Jahren aber immer häufiger als bleibende Vogelart. Er bewohnt Waldränder, Schonungen und offenes Gelände mit Büschen und Dornhecken.

 

 

Der Kolkrabe ist der größte schwarze Vogel unseres Gebietes, bussardgroß, von den Krähen durch bedeutendere Größe, stärkerem Schnabel, die Stimme und im Fluge durch den keilförmigen Schwanz zu unterscheiden. Ruf tief und sonor "korrk". Bewohnt mehr oder weniger offenes Gelände, aber auch Auen und Bergwälder. In West- und Mitteleuropa vielerorts ausgerottet.

 

 

Der Rotmilan ist der einzige große Greif unseres Gebietes mit tief gegabeltem Schwanz. Ruft schrill bussardähnlich "hiäh".

 

 

Der Pirol unverkennbar goldgelb und schwarz. Jungvögel sind grünlich. Er flötet laut "düdelio" oder ähnlich. Jungvögel rufen abfallend "gügügügü".

 

 

Die Schleiereule macht hauptsächlich Jagd auf Kleinsäuger. Stimme ein langgezogenes Kreischen; auch schnarchende, zischende und kläffende Laute. Brütet häufig in Scheunen, Kirchtürmen und anderen alten Gebäuden. Ihr Bestand wird allgemein als abnehmend eingestuft.

Ein Tierliebhaber schrieb uns:

"Zur Fauna sei noch angemerkt, dass seit Jahren (...) Schleiereulen angesiedelt sind, die auch schon vielfach ausgebrütet haben. Diese Eulen befliegen regelmäßig die Strecke (...). Es befindet sich von den Eigentümern ein gefertigter Nistkasten. Ein Schlaf und Fressplatz befindet sich direkt unter dem Dielendach (...) an der östlichen Seite des Hauses. Es findet also ein regelmäßiger Flugverkehr zwischen den Häusern statt. Durch den Bau der Freileitung würde diese Flugbahn elementar durchschnitten. Dieser Bereich ist mit einem hohen Unfallrisiko für die Vögel zu verzeichnen. Eine gutachterliche Prüfung dieses Gebietes, in Bezug auf diese Vögel, ist unerläßlich."

 

 

Der Mäusebussard variiert in seinem Gefieder zwischen dunkelbraun bis überwiegend weiß. Das miauende typische "hi-ääh" ist das ganze Jahr zu hören. Er ist in Wäldern aller Art und auf Feldern vertreten.

 

 

Der Kormoran ist der größte europäische ganz dunkle Wasservogel, mit gelben Fleck an der Schnabelwurzel. Sein Bestand wird allgemein als abnehmend eingestuft.

 

 

Der Kiebitz ist der bekannteste Regenpfeifer unserer Region. Unverkennbar im Fluge durch seine auffallend breiten und runden Flügel. Ruft in vielen Variationen laut "kie-wit" (daher Kiebitz). Sein Bestand ist stark gefährdet.

 

 

Die Nilgans ist eine gänseartige Ente. Sie ruft laut und nasal "ong ong" und ist entfernt an die Graugans erinnernd.

 

 

Der Höckerschwan ist für gewöhnlich schweigsam, trompetet, schnarcht und zischt. Die Jungvögel sind braun. Diese Schwäne sind jedes Jahr mit Jungvögeln in der Region Colnrade  und  Austen vertreten.

 

 

Der Turmfalke ruft laut und hell "kikikikiki...". Er ist im offenen Gelände jeder Art vertreten und nistet u.a. in alten Krähennestern. Das häufige Rütteln ("Rüttelfalk") ist das beste Kennzeichen. Auch im Winter ist er oft über Feldern rüttelnd zu sehen.

 

 

Als weitere Tierarten wurden uns Marder, Hermeline, Eichhörnchen, Gelbhalsmäuse, Fledermäuse, Feldhasen, Gimpel, Baumläufer, Kleiber, Stieglitze, Buchfinken, Kernbeißer, Nachtigall, Zaunkönige, Rebhühner, Schwanzmeisen, Girlitze etc. genannt. Also auch viele kleinere Tierarten, die den größeren als Nahrungsquelle dienen. Und wo viel Nahrung zu finden ist, da lässt man sich gerne nieder (Brutvögel) und erholt sich von langen Flügen (Rastvögel), es sei denn, gefährliche Stromleitungen stören bei der Jagd und beim Anflug auf die Rast und Nahrungsplätze. Des weiteren würde durch das Vertreiben besonders der Jagdvögel der natürliche Kreislauf gestört werden. Folge daraus wären z.B. Plagen durch Mäuse und Schädigung von landwirtschaftlichen und forstwirtschaftlichen Erzeugnissen. All das würde durch eine Erdverlegung vermieden werden.

Den aufmerksamen Tierliebhabern und Experten sagen wir von der IG "Vorsicht-Hochspannung" vielen Dank. Vielleicht kommen ja noch einige dazu.

 

 

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